Donnerstag, 8. Oktober 2009

Die Literaturnobelpreisträgerin gratis lesen.

Wer die Medien verfolgt hat, dürfte es bereits wissen - Herta Müller (wiki), *1953 Nitzkydorf (Rumänien) - ist die diesjährige Nobelpreisträgerin für Literatur.

Bisher hatte ich noch nichts von ihr gehört bzw. gelesen, aber vielleicht wird sich das bald ändern. Im Rahmen der Werbeaktion "Download Days" für das Ebook wird wöchentlich jeden Dienstag auf libreka! (E-Book-Plattform des Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels) ein Ebook zum kostenlosen Download bereitgestellt.
Und am 15. Oktober wird dies "Atemschaukel" von Herta Müller sein!
Näheres >HIER<.

Nähere Bestimmungen, d.h. benötigte Software zum Umgang mit dem epub-Format sowie dem DRM-Schutz (Digital Rights Management) finden sich in der FAQ-Abteilung von libreka!.

Liebe Grüße,
bartimaeus

Hannah Tinti:
Die linke Hand (The Good Thief)

Die linke Hand
"The Good Thief", Hannah Tinti, 2008

Übersetzung aus dem Amerikanischen Englisch: Irene Rumler
Meine Rezension bezieht sich auf die Ausgabe:
Luchterhand, ISBN: 978-3630871653
 

Ein wenig wie Oliver Twist kommt es daher, dieses amerikanische Buch über einen einarmigen Waisenjungen Ren, der begleitet von zwei Gaunern im Amerika des 19. Jahrhunderts zu überleben versucht und den es so nach North Umbrage verschlägt. Und zwischen Mausefallen, Zwergen, Friedhöfen und Mördern, die wie große Babys erscheinen schleicht sich immer mal wieder ein Gefühl der Seligkeit ein, wenn man Ren bei seinem Weg durchs Leben zuschaut. Ein Junge, begleitet von einem amüsanten Tagedieb, einem verlotterten Lehrer, die allerlei kleine Schummelein nötig haben, um ihr Dasein zu fristen, das hat was. Und so graben sie Leichen aus, die teilweise weniger tot sind, als man denkt, werden vom Mausefallenmagnaten behelligt oder stellen sonstigen Unsinn an.

Diese Atmosphäre, irgendwo zwischen dem Charme vergangener Tage, Groteske, Abenteuer und Rens zuckersüßer Coming of Age-Geschichte, mit denen sich der Roman in die Herzen der Leser stiehlt, wirkt allerdings in Teilen leider ein wenig bemüht. Die für sich durchaus netten Skurrilitäten wirken manchmal ein wenig "too much", ein wenig zu konstruiert, ein wenig zu undurchdacht und für das Happy-End à l'américaine ein wenig zurechtgebogen. Mit Atmosphäre und ein wenig makaber-skurriler Stimmung wird der Plot des Romans, die Herkunft Rens, die stark mit North Umbrage verknüpft ist, völlig erdrückt und marginalisiert - die für Ren wichtigen Erkenntnisse und Enthüllungen kommen viel zu knapp.

Es werden Chancen vertan, Unnötiges wird in den Vordergrund gestellt. Ichy und Brom, die Zwillinge, die Ren im Klosterwaisenhaus Freunde waren und die ihm wiederbegegnen, werden zu bloßen Pappgestalten, die ein wenig rumheulen und nur fürs Happy-End dabei sein müssen. Rens Freund, der Mörder in der Gestalt eines Riesen mit dem Gemüt eines Kleinkindes, verschwindet hingegen von der Bildfläche - vielleicht war er doch nicht die richtige Gestalt, die in einen hoffnungstrunkenen Epilog passen würde? Da passt nur noch der Zwerg auf dem Dach, der ist wenigstens harmlos und mault nur, wenn seine Socken nicht gestopft werden.

Ich finde es traurig, dass so viel Potenzial verschenkt wurde, dass nur etwas mittelmäßig Gutes herausgekommen ist, wo allein von der Idee her sehr viel mehr möglich gewesen wäre. Es immer noch ein Roman der zum Schmunzeln bringt, der mit kleinen schwarzhumorigen Überraschungen aufwarten kann und die Atmosphäre des aufstrebenden Amerikas im Charme der Mausefallenfabrik einfängt, aber eine Geschichte, in der die Skurrilitäten ein bisschen weniger konstruiert wären oder die sich weniger dem Wunsch nach einem absoluten Happy-End beugen würden, wäre durchaus möglich und sehr viel überzeugender gewesen. So bleibt ein keineswegs schlechter, aber nicht wirklich begeisternder Roman über das Abenteuer eines Waisenjungen, in dem leider nur stellenweise dieses magische Etwas aufblitzt, die dem Leser ein seliges Lächeln aufs Gesicht zaubert.



Liebe Grüße,
bartimaeus

Sonntag, 4. Oktober 2009

¡Viva España - y vivan los libros españoles!

Wenn ich dann schon einmal in Spanien bin - und zwischen erbitterten Kämpfen mit dem Regen oder dem Sonnen am Strand doch noch Zeit finde, muss ich natürlich auch durch Buchhandlungen stöbern. Und natürlich zuschlagen, weil die Bücher locker mal bis zu 10 Euro billiger sind, als wenn ich sie hier kaufen würde...

Carlos Ruiz Zafón - Marina
Eine Art Vorläufer des "Schatten des Windes", das ich sofort im Supermarkt kaufen musste, als ich es sah. Reingeblättert habe ich noch nicht, aber ich bin mir sicher, dass es mich gut unterhalten wird.

Laura Gallego Garcia - Memorias de Idhún I: Resistencia (Geheime Welt Idhún I: Die Verschwörung)
Ein Jugendbuch, das selbst für mich mit nicht so guten Spanischkentnissen recht gut verständlich ist, da die Autorin etwas einfallslose und nicht immer abwechslungsreiche Sätze baut. Aber es ist spannend!

~~~

und ein Buch aus Deutschland:
Juliane Korelski - Die Bastardin
Eine Büchereule und eifrige Bloggerin, deren historischen Roman ich mir unbedingt zulegen musste und bestimmt bald lesen werde, wenn ich es nicht mehr bis zur Leserunde bei der Büchereule aushalten kann.

Liebe Grüße,
bartimaeus

Reisen im September

3 Bücher lediglich habe ich in der Klausurenphase vor den Herbstferien lesen können - eins davon eine Katastrophe... 1 war deutsch- 2 englischsprachig, 1 von einem Autor, 2 von Autorinnen geschrieben.

Sharon Shinn - Samaria II: Jovah's Angel
10/10 Pkt. REISE DES MONATS

Janet Tashjian - Larry II: Vote for Larry
6/10 Pkt.

Dieter Ebels - Helene. Eine Kriegskindheit
1/10 Pkt.

Liebe Grüße,
bartimaeus

Reisen im August

6Bücher sind es im August geworden. Darunter 2 ausgeliehene und eine Schullektüre, 4 deutsch- und 2 englischsprachige. Autoren und Autorinnen halten sich mit 3:3 die Waage.

Rebecca Gablé - Das Lächeln der Fortuna
8/10 Pkt.

Birgit Vanderbeke - Sweet Sixteen
8/10 Pkt.

Daniel Glattauer - Gut gegen Nordwind
7/10 Pkt.

Lloyd Alexander - Westmark (dt.: Der Setzerjunge)
6/10 Pkt.

Patrick Redmond - Das Wunschspiel (The Wishing Game)
10/10 Pkt. REISE DES MONATS 

Ellen Kushner - Swordspoint. A Melodrama of Manners
9/10 Pkt.

Liebe Grüße,
bartimaeus

Samstag, 3. Oktober 2009

Die Tücken mit Mozilla Firefox...

Es war einnmal eine Zeit, in der das Bloggen einwandfrei funktionierte, in der man nicht nur bruchstückchenhaft das HTML der Posts bearbeiten konnte, sondern nach dem Muster "what you see is what you get" direkt mit lustigen Symbolen einfach den Post formatieren konnte. Eine Zeit, in der sich die Widgets noch im Layoutmenü über die dafür vorgesehene Schaltfläche verschieben ließen und auch tatsächlich nach meinen Wünschen einstellen ließen und nicht mühsam manuell in der Gesamtvorlage hin- und herkopiert und durch Ausprobieren verändet werden mussten.

Doch dann kam die Zeit, in der dies alles nicht mehr funktionierte, in der ich mir keine eigenen Kommentare mehr schreiben konnte, kurzum in dem das Bloggen ein wenig problematisch wurde. 

Schließlich, nachdem ich mich in die Weiten des Internets gestürzt hatte, um die Ursache dieses Phänomens zu entdecken, ließ sich der Übeltäter ausmachen: Firefox. Dieses Wesen, das als hilfsbereiter Browser daherkommt, sabotiert den bei Blogspot bloggenden Benutzer. Nachdem ich mich nun mit Opera verbündet habe, ist aber endlich die Zeit der Dürre vorbei und ein neues Zeitalter wird beginnen...

Oder so ähnlich. Auf jeden Fall wird es hier wieder voller ;-)


Liebe Grüße,
bartimaeus

Mittwoch, 9. September 2009

Helene. Eine Kriegskindheit - Dieter Ebels

Helene. Eine Kriegskindheit
Dieter Ebels, 2007

Meine Rezension bezieht sich auf die Ausgabe:
Wagner Verlag (DKZ), ISBN: 978-3866830745


Helene. Eine Kriegskindheit" ist ein Buch aus einem Druckkostenzuschussverlag, geschrieben aus der Sicht eines deutschen Mädchens, das die Kriegsjahre im nationalsozialistischen Deutschland erlebte. Eines Mädchens, das tugendhaft-christlich und außerordentlich naiv durch diese Tage stolpert, von Alltagssorgen wie Heimweh, Durchfall nach einer zu großen Portion Bonbons oder Blähungen in stickigen Krankenhauszimmern geplagt bis hin zu den in diesem Buch vorsichtshalber schon in Kapitelüberschriften angekündigten Schicksalsschlägen, die da wären: der kriegsbedingte Verlust von Verwandten und Freunden, Vergewaltigung.
Armes Helenchen. So viel Unglück. Eine geklaute Postkarte, ein toter Lieblingsbruder, ein böser Bauer, ein kleines Horrorszenchen in der wunderschön bayrischen Berglandschaft, dreckige Schuhe und die geliebte "Mutti" eine Todsünderin - ach nein, die christlichen Grundsätze galten ja nur für die anderen... also keine Todsünderin - sie kann einem wirklich ungeheuer Leid tun.

Und das kleine mutige Mädchen durchsteht das alles, so jung und schon so stark. Da darf ein Tränchen fließen oder auch ein weiteres Dutzend mehr, sie verdient unsere Bewunderung.
Und darauf beharrt das Buch, es ist sein einziges Thema, Mitleid und Bewunderung für die kleine Helene - die von einem Schicksalsschlag zum nächsten, vom Regen in die Traufe stolpert. Das Buch ist für die Zartbesaiteten, Mitleidenden, die sich der armen Kleinen nicht verschließen können.

Denn bei einem Blick hinter die Fassade um das süße Mädchen, tun sich mehrere Mängel auf. Abgesehen von reinen historischen Fehleinschätzungen, die ich mit mäßigem geschichtlichen Faktenwissen während des Lesens nur als verwunderlich hingenommen hatte, fällt vor allem auf, dass die Übel zwar mit dem Krieg verknüpft werden, aber nicht mit dem Nationalsozialismus.
Da wird heiter im Hinterhof 'Krieg' gespielt - die deutschen Buben gegen imaginäre Tommys und Ivans - da werden ein unbeschreiblicher Nachmittag in Hitlers Kehlsteinhaus verlebt, Postkarten vom beliebten deutschen Kriegsflugzeug gesammelt, und der liebe Papa ist der tolle Kriegsheld. Hitler wird ein-zwei Mal am Rande erwähnt, die Kinder führen anscheinend ein Leben abseits von nationalsozialistischer Propaganda und Beeinflussung.

Das wäre vielleicht glaubwürdig, wenn wir die passende Perspektive dazu hätten. Ein Kind, dem andere Dinge, die es erzählen will, einfach wichtiger sind, das den Urlaub in der Heide wichtiger findet als eine Ansprache des Führers. Blöderweise haben wir diese - auch nicht unproblematische - Perspektive nicht. Wir haben die Perspektive einer alten Dame, die rückblickend in kindlichem Tonfall erzählt.
Und da beginnt das größte Problem des Buches, das die Geschichte als zusammengeschustert und schlecht entlarvt. Denn am Ende bemerkt die alte Dame:
Ebels, D.: Helene. Eine Kriegskindheit. Gelnhausen 2007, ISBN:978-3866830745, S.400-1
"[E]in Krieg hat kein Happy End [...]. Das, was ich ihnen gerade erzählt habe, war [...] eine Geschichte, gesehen mit den Augen eines naiven Mädchens. Heute sehe ich die damalige Zeit mit ganz anderen Augen. Uns Kindern prägte man eine Welt ein, die beherrscht war von Idealismus und Fanatismus und Adolf Hitler war der Führer [...]. Blinder Fanatismus ist das Schlimmste, was es gibt auf der Welt, und wenn ich sehe, dass es auch heute noch Länder gibt, in denen Eltern ihren Kindern einen solchen Fanatismus einprägen, dann bekomme ich große Angst. [...] Wenn man doch nur allen Eltern auf der Erde klarmachen könnte, dass man unschuldigen und leichtgläubigen Kinderseelen kein Feindbild einprägen darf, dann wäre damit der Grundstein für eine Welt in Frieden und Eintracht gelegt"
Heute sieht sie das alles anders, aber sie erzählt es dennoch aus der Sicht von damals. Warum denn?

Solch "eine Welt in Frieden und Eintracht" wie aus diesem Zitat erreicht man nicht dadurch, eine rührselige Geschichte eines deutschen Mädchens zu erzählen, ohne einen Blick auf seine fanatische Umgebung zu werfen - oder unglaubwürdig von einer (fiktiven) Person mit dieser Meinung eine Geschichte größtenteils frei von rückblickender Reflexion naiv-kindlich erzählen zu lassen - und vor allem dadurch problematische Denkweisen nicht zu überdenken. Und selbst wenn man die alte Dame als ungeschickte Konstruktion für eine Rahmenhandlung sieht, die manchmalige Perspektivmischung in der Erzählung missachtet, werden dadurch die Schilderungen Helenes ohne die dazugehörige Reflektion nicht besser.

Zu häufig werden vom Tod getroffene Übeltäter als von Gott bestraft bezeichnet (sogar von der rückblickenden Helene), zu häufig verurteilt sie leichtfertig Menschen anhand ihrer Moralvorstellungen oder biegt sich die Wahrheit zurecht, falls diese Vorstellungen sie nicht weiterbringen.
Und auch die Behandlung der 'dummen' Magd, die anscheinend eine geistige Behinderung aufweist, zeugt in meinen Augen durch das unreflektierte Darstellen als etwas Drolliges, mit dem man gern Streiche treiben und tüchtig darüber lachen darf, nicht von Durchdachtheit und dem Wunsch nach einer friedlichen Welt des Miteinanders. Eine kritisch zurückblickende alte Dame passt nicht im geringsten zu Klein-Helenchens gefühlsduseligem Blickwinkel.

Über solche Banalitäten wie ungelenken Satzbau, der stark an eine mündliche Erzählung von der "guten alten Zeit" erinnern kann, aber stilistisch in einem Buch nur schwer ertragbar ist, Floskelhaftigkeit (ach wie viel brannte fröhlich "lichterloh" im Krieg), fehlerhaft springende Zeitformen, nicht vorhandenes Sprachgefühl und Formatierungsfehler, sprich ein mangelndes oder eher dürftiges Korrektorat/Lektorat mag man da fast hinwegsehen.

Fazit: Ein Buch für die Tonne!


Liebe Grüße,
bartimaeus